Workshop mit Rike Frank

8. Mai 2020 von 17-19 Uhr und 15. Mai 2020 von 16-19 Uhr

Eine Auswahl an Karteikarten aus dem Ausstellungskatalog ‘c. 7.500’; aus: From Conceptualism to Feminism: Lucy Lippard’s Numbers Shows 1969–74, Exhibition Histories Series, Afterall Books in association with the Academy of Fine Arts Vienna; the Center for Curatorial Studies, Bard College; and Van Abbemuseum, 2012

Zwischen 1969 und 1974 initiierte die US-amerikanische Kuratorin und Kritikerin Lucy R. Lippard insgesamt vier, nach der jeweiligen örtlichen Einwohner*innen-Zahl benannte Ausstellungen: ‘557,087’ in Seattle, ‘955,000’ in Vancouver, ‘2,972,453’ in Buenos Aires und ‘c.7,500’ in Valencia, Kalifornien. Lose zusammengehaltene Stapel aus Karteikarten mit Texten, künstlerischen Instruktionen und Zeichnungen begleiteten die ‚numbers shows’. Lippard entwarf hierin eine kuratorische Form, welche – in Korrespondenz mit künstlerischen Strategien der Zeit – nicht länger zwischen Produzieren, Rezipieren, Öffentlich-Werden, Vermitteln, Distribuieren, Zirkulieren differenzierte, sondern sich in einer, für sie zunehmend politisierten, feministischen Praxis verband. In dieser nahmen Kommunikation, System- und Informationsdesign einerseits und affektive Beziehungsarbeit andererseits eine zentrale Funktionen ein. (Siehe auch: Sabeth Buchmann, 30 678. Lucy R. Lippard. Kuratieren mit/im System, Texte zur Kunst 86, 2012)

Aus heutiger Perspektive bietet Lippards Praxis einen historischen Resonanzraum, der angesichts der aktuellen Lage – der Reduzierung sozialer Kontakte, der Einschränkung einer Bewegungsfreiheit und der Frage nach einer Re-Integration von „Leben“ und „Normalität“ – einen Ansatz offeriert, um aus dem Krisenmodus heraus über eine kuratorische Sensibilisierung für Produktivität, Fürsorge und Zugänglichkeit nachzudenken – und im Sinne einer angewandten Ausstellungsgeschichte Methoden der Aktualisierung zu debattieren.

Zum Auftakt des zweiteiligen Workshops, am 8. Mai 2020 wird die Künstlerin Katrin Mayer per Video/Konferenzschaltung zu Gast sein und über „I’M NOT A NICE GIRL! Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper, Mierle Laderman Ukeles” (18.1.-17.5.2020, K21, Düsseldorf) sprechen: die von Isabelle Malz kuratierte und im Dialog mit Katrin Mayer entstandene Ausstellung basiert auf dem Archiv des Galeristen Konrad Fischer und enthält u.a. Briefe und Dokumente von Lucy R. Lippard. Der zweite Termin am 15. Mai 2020 ist in der Folge der Frage gewidmet, auf welche Weise sich über eine Aktualisierung der ‚numbers shows’ Beziehungen in eine Gegenwärtigkeit aufbauen lassen.

Rike Frank arbeitet als Kuratorin, lehrt Ausstellungsgeschichte und kuratorische Praxis und ist als Autorin tätig. Sie ist (Mit-)Herausgeberin zahlreicher Publikationen, kürzlich erschien Of(f) Our Times. Curatorial Anachronics (hg. mit Beatrice von Bismarck, Berlin: Sternberg Press, 2019) und Geschäftsführerin des Berliner Förderprogramms Künstlerische Forschung sowie Ko-Direktorin der European Kunsthalle.

Katrin Mayer ist Künstlerin und lebt in Berlin und Düsseldorf. Für ihre ortsbezogenen Werke werden häufig genderpolitische oder subkulturelle Narrative aufgerufen und in Form von räumlich-materiellen Installationen so formuliert, dass sie gegen die Fiktion eines ‚neutralen’ Raumes ohne irgendeine Verflechtung mit sozialen, gesellschaftlichen und zeitbedingten ästhetischen Konnotationen arbeiten. So entstehen temporäre Settings, deren Displays über ihre Zeigefunktion hinaus selbst Ausdruck des durch sie verhandelten Wissens werden. www.katrinmayer.net

Wir bitten um Anmeldung unter info@kunstverein-hildesheim.de, bis zum 4.5., da die Plätze auf 20 Teilnehmende begrenzt sind. Die Zugangsdaten (Link zur Audiokonferenz, über die wir zusammenkommen werden) schicken wir nach erfolgter Anmeldung herum, zusammen mit Textmaterialien, die der Vorbereitung dienen.

https://www.kunstverein-hildesheim.de/projekte/kuratorischepraxis-2/